Wo digitale Ideen im 3D-Druck Gestalt annehmen

Gespräch mit Stefan Jindra, MSc und Jacob Berger // 3D Fox

Ein Gespräch über Innovation, Nachhaltigkeit
und das »Kind im Techniker«


Ausgabe:

05 // Lebenswege

Kategorie:

Special

Autor/in:

© 3D Fox

Jacob Berger und Stefan Jindra, MSc sind Gründer von 3D Fox

https://www.3d-fox.at

Interview:
Horst Köpfelsberger
Melanie Außermayr


(Interview: Horst Köpfelsberger / Melanie Außermayr)

Inmitten der kreativen Landschaft Salzburgs hat sich mit 3D Fox ein Unternehmen etabliert, das den 3D-Druck neu denkt. Die beiden Gründer sind bekannt für präzise Lösungen und legen ebenso großen Wert auf Nachhaltigkeit und eine persönliche Kundenbeziehung. Wir sprachen mit Stefan und Jacob über ihren Weg, ihre Vision und die Herausforderungen der Selbstständigkeit.


Stefan, Jacob, schön, dass ihr uns heute in eurem wirklich beeindruckenden Büro empfangt. 3D Fox hat sich als feste Größe im 3D-Druck etabliert. Erzählt uns doch zunächst, wie ihr eure Rolle in diesem vielfältigen Bereich seht.

Stefan: Vielen Dank, dass ihr zu uns gekommen seid. Wir sehen uns als die »erweiterte Werkstatt« für unsere Kund:innen. Für viele ist der 3D-Druck immer noch Neuland und sie wissen oft nicht, welche Möglichkeiten es gibt oder worauf es ankommt. Deshalb ist unser extrem starker Beratungsaspekt so wichtig. Wir nehmen den Kund:innen so viel Arbeit wie möglich ab, damit sie ihre Ziele erreichen.

Jacob: Genau. Wir sind keine »Massen-Druckerei«, die auf anonyme Anfragen reagiert. Wenn Kund:innen zu uns kommen, geht es uns darum, ihre Bedürfnisse zu verstehen und die jeweils beste Lösung für sie zu finden. Egal, ob es um Prototypenfertigung, Architekturmodelle oder sogar Restaurierung geht.

»Als Vollbluttechniker fuchsen wir uns in jedes Problem rein.«

Stefan Jindra, MSc

Ihr habt eine sehr breite Palette an Dienstleistungen, von der Datenerfassung bis zur Fertigung. Gibt es ein Projekt, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Stefan: Wir haben zum Beispiel den Innenraum eines alten Autos gescannt, dessen Dach für eine Höhenverstellung komplett entfernt wurde. Gerade bei solchen Oldtimern, wo es keine genauen Baupläne mehr gibt, konnten wir durch die präzise 3D Vermessung eine Planung auf 0,1 mm genau ermöglichen. Die 3D-Daten, die wir geliefert haben, waren die Basis für den gesamten Ausbau.

Jacob: Oder auch skurrilere Projekte wie das Scannen von Mozarts Geige zur digitalen Konservierung oder von einer Holzvertäfelung in einem Saal der Festung Hohensalzburg, für das wir einen passenden Stöpsel gedruckt haben. Das zeigt, wie vielfältig unsere Arbeit ist – oft geht es gar nicht ums Drucken, sondern nur ums Datenerfassen.

© 3D Fox

Ein zentrales Thema in der heutigen Zeit ist Nachhaltigkeit, gerade im Bereich Kunststoff. Wie geht 3D Fox mit diesem oft kritisch beäugten Material um?

Jacob: Das ist ein sehr wichtiger Punkt für mich persönlich. Am Anfang meiner Selbstständigkeit hatte ich große Schwierigkeiten, mein Gewerbe, das Kunststofferzeugnisse herstellt, mit meinem Gewissen zu vereinbaren. Kunststoff wird in der Gesellschaft oft als Wegwerfartikel wahrgenommen oder einfach etwas, das Gift in die Welt setzt. Doch für uns ist Kunststoff ein Stoff, aus dem man alles formen kann und somit extrem spannend. Durch die nachhaltigen Schritte, die wir setzen, kann ich das heute voll vertreten.

Stefan: Wir betreiben beispielsweise internes Recycling. Sämtlicher Ausschuss und anfallendes Stützmaterial werden sortenrein gesammelt und nach Wien geschickt, wo eine Firma daraus Plattenmaterial für Farbakzente herstellt. Zudem arbeiten wir eng mit Nobufil aus Krems zusammen, die Filamente aus hochqualitativen Industrie-Rezyklaten herstellen – das sind hochreine Industrieabfälle, die nie im »gelben Sack« waren. Das ist entscheidend, da Kunststoffe aus dem Gelben Sack für anspruchsvolle 3D-Druckprojekte meist nicht sinnvoll recycelbar sind.

Jacob: Auch das oft als »Bio-Plastik« bezeichnete PLA hinterfragen wir kritisch. Obwohl es aus Maisstärke gewonnen wird, verrottet es in der Umwelt sehr, sehr, sehr langsam und enthält Mikroplastik. Für uns ist immer die Frage: Wie kann ich das ökologisch besser machen?

Apropos Material: Stefan, du bist in dem Bereich auch Lehrgangsleiter am WIFI Salzburg. Erzähl uns bitte mehr darüber.

Stefan: Ja, das stimmt. Ich bin Lehrgangsleiter für die Gewerbeausbildung für die Kunststoffverarbeitung, eingeschränkt auf 3D-Druck. Ich bilde quasi die 3D-Drucker von morgen aus. Das ist eine große Verpflichtung mit 250 Einheiten. Es war mir wichtig, die erste Durchführung selbst zu leiten, um die Ausbildung vollständig zu verstehen. Wir bieten mit 3D Fox aber auch individuelle Schulungen und Kaufberatungen für Unternehmen an, da wir als unabhängige Berater agieren und an keinen Hersteller gebunden sind.

Jacob, du bist der Kunststoffverarbeiter bei 3D Fox und willst künftig berufsbegleitend noch ein Studium machen?

Jacob: Ja, ich habe vor, Mechatronik & Wirtschaft in Wels zu studieren. Das passt sehr gut zu unserem Berufsfeld. Es war schon immer mein Ziel zu studieren und jetzt hat es sich perfekt ergeben, also muss ich es machen. Es ist eine bewusste Entscheidung, das nebenbei zu machen, weil ich nicht aufgeben will. Innerhalb des Unternehmens bin ich hauptsächlich für das Fulfillment und technische Angelegenheiten zuständig.

Ihr seid ein junges Gründerteam. Was sind die größten Herausforderungen, denen ihr euch als Selbstständige stellen müsst?

Stefan: Die größte Herausforderung ist sicherlich, dass man alles lernen muss. Ich habe Elektronik und Embedded Systems studiert und war einige Jahre in einem Startup, aber als Generalist musst du dich in alles einarbeiten. Für uns ist es ein Segen, dass wir zu zweit sind – es ist eine echte »Arbeitsehe«.

Jacob: Ja, das »Alleinsein der Selbstständigkeit« ist eine große Hürde. Wir haben uns die Aufgaben geteilt: Stefan ist hauptsächlich für den Vertrieb und das Marketing zuständig und ich für das Fulfillment und technische Angelegenheiten. Das hilft uns, uns zu konzentrieren.

Stefan: Als Vollbluttechniker fällt es uns leicht, uns in jedes technische Problem voll reinfuchsen und reinziehen zu können. Aber Marketing und Vertrieb, das ist das, wo wir uns am schwersten tun. Auch die Preisgestaltung war anfangs mega schwierig, weil es in unserer Nische kaum Referenzwerte gibt und jede Anfrage sehr individuell ist.

© 3D Fox

Und warum habt ihr Salzburg als Standort gewählt?

Jacob: Das ist eigentlich einfach zu erklären: Wir beide kommen aus Salzburg. Es gibt hier zwar wahnsinnig hohe Mietpreise und wenig Industrie im Vergleich zu anderen Regionen, aber unsere Kund:innen, besonders die lokalen Salzburger:innen, schätzen den persönlichen Kontakt. Sie fahren gerne her, um uns ihre Projekte zu zeigen und sicherzustellen, dass wir ihre Bedürfnisse verstehen.

Zum Abschluss: Wo seht ihr 3D Fox in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Stefan: In den nächsten fünf Jahren wollen wir auf jeden Fall in unseren jetzigen Räumen bleiben, aber mit wesentlich mehr Maschinen. Unser Ziel ist nicht, Millionenumsätze oder zig Mitarbeiter zu generieren, sondern einen Ort zu schaffen, der wahnsinnig inspirierend ist und der zur Zusammenarbeit motiviert. Wir wollen eine kleine Utopie erschaffen, die das Kind in dir erweckt.

Jacob: Wir wollen umfassender in der Zukunft arbeiten und mehr Disziplinen vereinen, um wirklich größere Ideen umsetzen zu können. Ob es um Stückzahlen von 10.000 geht oder eine fünf Meter hohe Statue. Es soll kein ultra seriöses Büro werden, sondern ein Ort, der den kreativen Spirit fördert. Für uns ist wichtig, dass wir weiterhin geile Arbeit haben und jeden Tag gerne zur Arbeit gehen.

»Es soll kein ultra-seriöses Büro werden, sondern ein Ort, der den kreativen Spirit fördert.«

Jacob Berger

Vielen Dank für das spannende Gespräch!


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